Fotoausstellung: "Wir leben in Angst"
Gewalt ist in den Großstädten Brasiliens mittlerweile weit verbreitet. Jedoch steht hinter den sensationsheischenden Bildern von bewaffneten Jugendlichen und machistischen Polizeibeamt(inn)en eine andere Realität: Unbescholtene Menschen sind gezwungen, ihr Leben inmitten von Schießereien, Ausgangssperren und polizeilichen Einschüchterungen zu verbringen.
Gemeinden in den Favelas (Elendsvierteln) von Rio de Janeiro finden sich eingeschlossen zwischen Polizeibeamt(inn)en, deren ethisch-moralische Einstellung sich seit der Militärdiktatur kaum geändert hat, und schwer bewaffneten Drogenbanden. Die Probleme, denen sie gegenüberstehen, sind groß – nicht nur leben sie in den prekärsten, wenig von staatlicher Seite unterstützten Nachbarschaften, sondern sind außerdem einem immer gegenwärtigen Sog aus Gewalt und Unsicherheit ausgesetzt.
Die Ausstellung „Wir leben in Angst“ berichtet über ihren alltäglichen Leidensweg – von Angst, zerstörten Hoffnungen und Gewalt. Inmitten der Hoffnungslosigkeit gelang es Genna Naccache* die Zärtlichkeit und Seele der Menschen, die sich nach einem besseren Leben sehnen, einzufangen
Diese Ausstellung ist Teil der amnesty-Kampagne über öffentliche Sicherheit. Die Kampagne betonte die Tatsache, dass Gewalt und soziale Ausgrenzung zwei Seiten derselben Medaille sind. Brasilianische Politiker(innen) scheiterten nicht nur aufgrund ihrer mangelhaften Sicherheitspolitik, sondern vor allem auch wegen ihrer diskriminierenden Sozialpolitik, welche ganze Teile der Städte sich selbst überlassen und zu kriminellen Ghettos gemacht hat.
amnesty international drängt die verantwortlichen Behörden, konkrete Pläne zur Reduktion von polizeilicher und krimineller Gewalt, zur Reform der Polizeiarbeit in den Favelas und zur Einschränkung der Verbreitung von Waffen vorzulegen.
*Genna Naccache ist eine brasilianische Photojournalistin und Filmemacherin. Im Zeitraum zwischen 2002 und 2005 hat sie die Straßenkämpfe zwischen Drogenbanden und der Polizei in Rocinha, das Leben der Frauen im Talavera Bruce-Gefängnis und die Entstehung der neuen Favela, Nova Invasão, am Stadtrand von Rio de Janeiro fotographisch begleitet.